Wie gefährlich ist Sri Lanka wirklich?

Wie gefährlich ist Sri Lanka wirklich

Noch immer gibt es viele Vorbehalte, was die Sicherheit von Sri Lanka angeht. Und ja, bei der ein oder anderen Sache sollte man wissen worauf man sich einlässt, bzw. wie man sich richtig zu verhalten hat. Doch Sri Lanka ist bei weitem nicht so gefährlich, wie es hier und dort zu lesen ist oder es einem gar das Reisebüro vermitteln möchte, beispielsweise dann, wenn man nach einer Tour in den Norden fragt.

In diesem Artikel widme ich mich der Frage „Wie gefährlich ist Sri Lanka wirklich?“ und gehe dabei auf die verschiedenen Sicherheitsaspekte ein, die für Deine Reise relevant sein könnten.

Lass uns also die möglichen Gefährdungsquellen nacheinander durchgehen und deren tatsächliche Brisanz besprechen!

Krieg

Es ist noch keine zehn Jahre her, da hat auf dieser wunder-vollen Tropeninsel noch ein ziemlich heftiger und dreckiger Bürgerkrieg geherrscht. Es kam zu terroristischen Anschlägen mit Autobomben in der Hauptstadt, denen wie so häufig vor allem Zivilisten zum Opfer fielen. Im Norden und Osten kämpfte die Armee gegen die Tamil Tigers (LTTE), die einen autonomen tamilischen Staat forderten. Auf beiden Seiten der Front kamen viele Kinder als Soldaten zum Einsatz und auch wenn JEDER Krieg zum kotzen ist, dieser war es ganz besonders. Durch Landmienen wurden viele unschuldige Bauern und Tiere wie Elefanten verstümmelt und der Westen schaute tatenlos zu.

Schließlich, im Jahr 2009 kam es zu einem Vorfall, der bis heute nicht restlos aufgeklärt ist, den Krieg aber beinah über Nacht beendete. Ich gebe hier die offizielle Version frei wieder und bin mir durchaus darüber bewusst, dass einem diese zumindest „irgendwie merkwürdig“ erscheinen könnte:

Nachdem der sri-lankische Präsident Mahinda Rajapaksa bereits am 16. Mai 2009 nach größeren Gebietseroberungen die LTTE für besiegt und den Krieg für beendet erklärte, wurden die verbleibenden Rebellen mitsamt der Führung der Tamil Tigers bis zum 19. Mai. eingekesselt. Schließlich wurde aus allen Rohren gefeuert. Je nach Quelle wird von 10.000 bis 70.000 Toten in dieser Endphase des Krieges gesprochen, wobei auch die Führung der LTTE getötet wurde. Wohl bemerkt „auf der Flucht“…

Sehr erstaunlich finde ich, wie schnell das Volk wieder zur Normalität zurück gekehrt ist. Natürlich gibt es auch Ausnahmen und Populisten gibt es selbstverständlich auch hierzulande. Doch wenn man sich einmal anschaut, welche Gräueltaten hier in über dreißig Jahren Bürgerkrieg begangen wurden, dann ist es schon erstaunlich, wie selbstverständlich inzwischen wieder nebeneinander koexistiert wird und wie wenig Rassismus zwischen Tamilen und Singhalesen herrscht. Wie gesagt: das gibt es sicher auch und man kann den Menschen nicht hinter die Stirn blicken, doch Ost- und Westdeutschland sind in fünfundzwanzig Jahren nicht auf diese Weise zurück zur Normalität gekehrt, wie es Sri Lanka in weniger als zehn Jahren ist.

Vor Unruhen und Ausschreitungen musst Du also keine Angst haben. Zwar ist die Militärpräsenz in ehemaligen Hochburgen der LTTE noch immer höher als beispielsweise in der Hauptstadt Colombo oder in Galle, doch Feuergefechte sind nicht zu erwarten.

Die Nachwehen des Krieges

Anders ist es freilich mit den Ehemaligen Frontlinien. Hier sollte besondere Vorsicht geboten sein. Grade im Norden und im Osten wäre es nicht besonders klug, die befestigten Wege zu verlassen und querfeldein über die Felder zu laufen. Noch immer befinden sich viele Landminen unentdeckt dort, wo früher die Gräben über das Schlachtfeld und durch das Volk gingen.

Doch so lange Du Dich auf den befestigten Wegen bewegst, hast Du auch diesbezüglich überhaupt nichts zu befürchten. Und mal ganz ehrlich: Was muss man denn auch genommen haben, um irgendwo über die Felder und Reisplantagen zu rennen?…

Der Krieg ist also lange vorbei und wer nicht schon fast grob fahrlässig auf die Suche nach Mienen geht, hat absolut nichts mehr zu befürchten.

Kriminalität

Damit kämen wir zur Welt des Verbrechens und ja, diese existiert hier durchaus. Wir wohnen in einem Stadtteil, der dafür bekannt ist, extrem viele zwielichtige Gestalten zu beherbergen – auch schon bevor ich dort war. Und dennoch habe ich subjektiv empfunden nicht das Gefühl, irgendwie bedroht oder in Gefahr zu sein. Geschäfte der anderen Art laufen hier hinter verschlossenen Türen ab und nicht wie in Deutschland auf offener Straße. Hin und wieder kommt es auch einmal zu einem Gewaltverbrechen, erst kürzlich wurde ein Minister verhaftet, weil er in unserer unmittelbaren Nachbarschaft jemanden ermordet haben soll. In der Öffentlichkeit ist von solchen Dingen allerdings kaum etwas mitzubekommen. Das Äußerste der Gefühle sind die kiffenden Jungs, die sich trotzdem friedlich auf der Straße aufhalten. Doch dies ist eine spezielle Besonderheit unseres geliebten Wellampitiyas und insgesamt eher untypisch.

Sri Lanka ist ein extrem wichtiger Umschlagplatz für viele Drogenkartelle und durch den Hafen gehen Container, die zum Teil randvoll mit Rohopium, Marihuana, Amphetamin und neuerdings auch Cocapaste und Freebase sind. Wird Kokain doch noch immer eher mit Südamerika assoziiert, so haben sich Züchter und Bauern in Ländern wie Afghanistan, Pakistan, Laos, Birma oder Myanmar inzwischen darauf spezialisiert, Coca auch in Asien zu produzieren. Und so gehen hier immer wieder Container durch den Hafen, deren Inhalt auf der Frachtliste nicht ganz korrekt deklariert ist.

Doch wilde Gangstergeschichten sind hier kaum zu erzählen. Es ist zwar sehr wahrscheinlich, dass es auf Sri Lanka auch so etwas gibt, doch im Großen und Ganzen werden diese etwas anderen Waren auch einfach nur als Geschäft gesehen. Durchaus ein riskantes Geschäft, da die drohenden Strafen nicht milde sind, aber es ist ein lukratives Geschäft und wer sich die richtigen Freunde warm hält, hat kaum etwas zu befürchten.

So existieren hier vom Drogenbaron in seinem Plattenbau-Apartment in Colombo (Platte ist hier das Beste, was man sich leisten kann!) über den Tuk-Tuk-Fahrer, der ganze Säcke mit Gras über die Insel karrt bis hin zum Beachboy, der den Touris das Weed am Strand andreht, alle Arten der Unterwelt in friedlichem Einklang mit dem Urlaubs-Paradies Sri Lanka.

Überfälle kommen vor, sind aber recht selten im Vergleich mit anderen Ländern und auch im direkten Vergleich mit Deutschland. Eher in Acht nehmen solltest Du Dich vor Langfingern. Diese gibt es hier nämlich zuhauf und sie beherrschen ihr Handwerk dermaßen perfekt, dass Du erst dann mitbekommen wirst, dass etwas fehlt, wenn längst alles vorbei ist und Du nicht die geringste Chance hat, Dein Eigentum zurück zu bekommen. Um Dich möglichst nicht unnötig zum Opfer zu machen, solltest Du vermeiden, größere Summen Bargeldes (das ist hier alles ab zehn, fünfzehntausend LKR) dabei zu haben oder diese zumindest nicht zeigen. Wer eine dicke Geldrolle zückt, diese stolz Gott und der Welt präsentiert und dann auch noch seelenruhig zeigt, in welcher Tasche er diese aufbewahrt, der trägt damit seinen Teil zum Verlust selbiger bei. Auch Handys, Kameras, Tablets etc. sollten nicht unnötig zur Schau gestellt werden. Zwar sind wir aufgrund unserer Hautfarbe von vornherein willige Beute für Diebe, die auf hundert Meter gegen die Sonne ausgemacht werden kann, aber Du brauchst es ja nicht auch noch zusätzlich provozieren. Nicht ohne Grund heißt es: „Gelegenheit macht Diebe“!

Betrug, Wucher, Abzocke und Bauernfängerei ist hier ebenfalls ein großes Thema und wenn Dir jemand ein scheinbar sehr gutes Angebot macht (beispielsweise für Schmuck, Edelsteine, Kunsthandwerk etc.), dann sei Dir sicher, dass Du entweder immer noch einen viel zu hohen Preis zahlst oder eben nicht das bekommst, was Du zu bekommen glaubst. Rasch mal ne bunte Scherbe glatt geschliffen, das ganze in eine Blechfassung gedrückt und fertig ist der „Silberring mit garantiert echtem Edelstein“.

Am besten lässt Du Dir nichts aufschwatzen, was Du nicht auch tatsächlich kaufen willst. Zügle als reisendes Paar oder Familie ggf. vor allem Deine Ehefrau und Töchter oder zügle Dich selbst. Denn Schmuck- und Textil-Händler wissen genau, welche Knöpfe sie drücken müssen um Shoppingfieber zu verursachen… 😉

Straßenverkehr

Wer einmal den Verkehr in Colombo erlebt hat, fragt sich erstaunt, weshalb es auf Sri Lanka, relativ gesehen, nicht mehr Verkehrstote gibt als in Deutschland. Zumindest für mich ist das immer wieder ein Rätsel. Doch Einheimische sind es genau so gewohnt und kommen deshalb mit dem Chaos durch ihre jahrelang trainierte Schwarm-Intelligenz klar. Unsereins hingegen wird von Kindheit an in Watte gepackt und kommt mit hohem Verkehrsaufkommen ohne klar erkennbare Regeln einfach nicht klar.

Zur eigenen Sicherheit solltest Du prinzipiell nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Natürlich stirbt nicht jeder Ausländer direkt, wenn er sich einen Roller leiht und damit die Insel erobert, doch die Chancen stehen zumindest nicht schlecht. Nein, im ernst: Solltest Du nicht besonders cool sein und Nerven aus Stahl haben, so ist es ratsam, das Risiko zu vermeiden und sich fahren lassen.

Auch beim Überqueren der Straße solltest Du ganz besonders vorsichtig sein. Erwarte nicht, dass ein Zebrastreifen hierzulande ebenso bedeutet, dass Autos für Dich anhalten werden. Selbst Rote Ampeln gelten bei einigen Fahrern eher als ein unverbindlicher Vorschlag. Gehe also immer erst einmal vom Schlimmsten aus und bewege Dich so vorsichtig wie möglich über die Straße. Zwar ist es am Ende meistens gar nicht so wild und die Tuk-Tuks und Autos fahren wenigstens um Dich herum anstatt über Dich drüber, doch sicher sein solltest Du Dir eben auch nicht. Sei einfach vorsichtig und erwarte nicht, dass sich so wie in Deutschland an die Regeln gehalten wird!

Unfälle

Wenn Du mich fragst, liegt hierin die größte Gefahr Sri Lankas. Es käme schon fast einem vorsätzlichen Suizid gleich, sich an irgendeinem Abgrund an das Geländer zu lehnen. So etwas wie eine Bauaufsicht, Unfallverhütungsvorschriften oder einen TÜV gibt es hier nicht und so lauern überall potentielle Unfallherde, mit denen Du Dich nicht anlegen solltest.

ElektroInstallation auf Sri Lanka
ElektroInstallation auf Sri Lanka

Abenteuerlich verkabelte Elektroinstallationen (siehe Bild), Deckenventilatoren, die jeden Augenblick herunter zu kommen drohen, Balkone, die nur noch von Rost und Ameisen gehalten werden und offenes Feuer im Haus zur Zubereitung des Abendessens sind nur einige wenige Beispiele.

Bruchbude auf Sri Lanka
Bruchbude auf Sri Lanka

Grade wer sich länger hier aufhält ist mit einer internationalen Haftpflichtversicherung sehr gut beraten und ebenso solltest Du Dich über eine Auslandskrankenversicherung informieren.

Besonders für Frauen

Leider gibt es hierzulande viele Männer, die von Ihrer Mutter entweder zu viel oder zu wenig geschlagen wurden. Denn es ist auffällig, wie aufdringlich hier mancher Zeitgenosse ist. Auch das Begrabschen in überfüllten Bussen, Bahnen oder öffentlichen Plätzen ist leider nicht unüblich.

Achte darauf, ob es einen Fahrer oder Guide gibt, der Dich die ganze Zeit schon mit seinen Blicken auszieht oder mehrfach ganz offensiv angegraben hat. Grade Singhalesen kennen kaum Zurückhaltung wenn sie sich für eine Frau interessieren und so „flirten“ und werben sie extrem aggressiv. Sollte das so sein, dann sorge dafür, dass Ihr nicht alleine seid. Die Gefahr vergewaltigt zu werden ist hier zwar auch nicht höher als in Deutschland, doch es ist mitunter sehr schwer, einem Einheimischen glaubhaft zu machen, dass man nicht auf ihn steht. Flirtende Singhalesen sind wie Herpes: Einmal eingefangen, wirst Du sie garantiert nicht wieder los… 😉

In einem anderen Artikel habe ich bereits beschrieben, dass Einheimische kein „Nein“ verstehen und weshalb das so ist. Dies gilt auch und ganz besonders bei der Partnersuche, weshalb Du Grenzen sofort aufzeigen und auch strikt durchsetzen solltest. Ansonsten wird es für Kokettieren gehalten und eine spätere Ablehnung provoziert den Singhalesen auf Freiersfüßen dazu, es einfach noch einmal etwas bestimmter zu versuchen.

Doch Du solltest ebenfalls wissen, dass es auch sehr viele gut erzogene Männer gibt, die sich umgehend für Dich stark machen werden. Solltest Du also tatsächlich belästigt oder gar angefasst werden, dann protestiere lautstark! Lass ruhig auch eine Ohrfeige fliegen und bitte Andere um Hilfe! Wahrscheinlich wird sogleich eine ganze Traube von Einheimischen über den Lustmolch herfallen, ihn beschimpfen und davon jagen.

Fazit

Insgesamt wird Sri Lanka oft als gefährlicher dargestellt, als dass dies der Wirklichkeit entspricht. Es gibt ein paar Dinge zu beachten und Du solltest Dich nicht ganz so unbedacht und sorglos verhalten, wie in Deutschland. Grade Unfälle sind hier schnell mal passiert wenn man europäische Maßstäbe ansetzt und meint, dass Bauaufsicht oder TÜV schon dafür sorgen werden, dass nichts passieren kann. Durch Krieg oder Kriminalität herrscht hier prinzipiell keine Gefahr, wobei Du allerdings vor Langfingern und Betrügern auf der Hut sein solltest. Als allein reisende Frau solltest Du Deine Grenzen aufzeigen und Dich durchsetzen können. Eine Reisebegleitung wäre auf jeden Fall zu empfehlen. Auch solltest Du Dich nicht all zu freizügig kleiden und auch Tangas und „oben ohne“ am Strand sollte ganz dringend überdacht werden!

Wenn Du diese Punkte beherzigst, dann steht einem entspannten Urlaub auf Sri Lanka ohne besondere Gefahren nichts im Wege.

Und sollte doch einmal etwas passieren, dann kannst Du Dir sicher sein, dass Dir Einheimische helfen werden. Denn in kaum einem anderen Land ist die Gastfreundschaft so vorbildlich wie auf Sri Lanka.

Den Kontakt zur Deutschen Botschaft kannst Du im Notfall hier herstellen…

Ich wünsche Dir viel Spaß bei Deiner Reise!

Love and Peace!

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