Unser Kennenlernen

Unser Kennenlernen

Auf Umwegen und mit der Hilfe von Astrologen, Mönchen und Drogendealern habe ich meine heutige Ehefrau getroffen. Wie bei uns beiden nicht anders zu erwarten, war unser Kennenlernen alles andere als gewöhnlich. Diese Geschichte ist sehr erstaunlich, mysteriös und scheinbar stark vom Zufall bestimmt worden. Auch wenn Dir manches an meinem Bericht unglaubwürdig erscheint, so ist es doch genau so passiert. Mein Kennenlernen mit Duneeshya scheint ein reines Zufallsprodukt zu sein. Doch was all dem voraus ging, lässt mich daran zweifeln, dass es so etwas wie einen Zufall überhaupt gibt. Aber ließ selbst:

Zufall oder Schicksal?

Wie das Leben so spielt sind eine ganze Reihe von Zufällen zusammen gekommen und mein damaliger Aufenthalt auf Sri Lanka hatte bis dahin schon so viel mystisches, dass eine lebensverändernde und alles auf den Kopf stellende Begegnung wohl unausweichlich war.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich viel Zeit in Tempeln, Pagoden, Covils und Klöstern verbracht. Ich habe mit den Novizen und auch mit den Mönchen meditieren dürfen, habe von Lamas und hinduistischen Lehrern in Gesprächen vieles lernen dürfen. Im Zahntempel, genauer im Octogon, wurde mir nach einer rund dreistündigen Meditation von einem Mönch zum Abschied gesagt: „You will come back. And you will stay!“.

Diese Worte berührten mich zu diesem Zeitpunkt zwar bereits sehr, doch noch mehr bin ich bewegt, wenn ich zurück schaue und erkenne, wie sehr er Recht behalten hat. Betrete ich heute das Octogon, rührt mich dies vor Dankbarkeit und Glück schier zu Tränen und es zieht mich jedes Mal, wenn ich in Kandy bin, in den Zahntempel, auch wenn Duneeshya das nicht verstehen kann und stattdessen lieber im Pizza Hut auf mich wartet.

Unter anderem wurde mir von einem alten Lama im Tempel der weißen Buddhastatue in Kandy (Bahiravokanda Vihara) die Geschichte über die Erleuchtung erzählt, die ich mir Dir ein einem anderen Artikel teile. Er hat mir die Natur der Erleuchtung so erklärt, wie ich sie in jenem Artikel wiedergebe. Und er war es auch, der mir mitteilte, das etwas großes in meinem Leben bevorsteht, was direkt mit Kandy zu tun habe. Ich solle nicht weiter den Weg der Askese zu gehen trachten, sondern mich auf meinen wahren Weg einlassen.

Im Hause des Astrologen

Etwas ähnliches wurde mir dann von einem Astrologen und Handleser in unmittelbarer Nähe zum Lions Rock in Sigiriya vorher gesagt, bei dem ich ein paar Tage zu Gast war um etwas über sein Hand-Werk (haha… schönes Wortspiel) zu lernen. Auch wenn dieser die Verbindung zu Kandy nicht erwähnte, so erklärte auch er mir, dass ich ganz kurz davor stehen würde, eine lebensverändernde Transformation zu durchlaufen. Mein Horoskop und die Linien in meiner Hand würden allerdings zeigen, dass ich mich zeitweise ein wenig dagegen wehren würde. Ich solle aber dennoch vertrauen, denn letzten Endes würde es sich lohnen und in eine goldene Zukunft führen.

Eines Abends hatte sich seine Frau darauf eingelassen, mir die singhalesische Kochkunst näher bringen und ich freute mich sehr darauf. Doch dann passierte etwas, was einer der wichtigsten Momente sein sollte, damit Dunee und ich uns überhaupt kennenlernten. Die Frau des Handlesers ließ einen Edelstein fallen, den ich in einem Tempel erhalten hatte. Das Stück war wohl einiges wert gewesen und zersprang beim Aufprall auf den Boden in viele kleine Splitter. Im ersten Moment herrsche Totenstille, doch im nächsten Moment begann sie fürchterlich zu weinen.

Zum einen hatte ich den Stein selber geschenkt bekommen und hatte viele Tage voller Meditation, innerer Erleuchtungen und vielen bereichernden Gesprächen hinter mir. Und selbst wenn dieser Edelstein aufgrund seiner ungetrübten Reinheit und dem perfekten Schliff tatsächlich mehrere hundert Euro wert gewesen sein sollte, wie es mir bei der feierlichen Übergabe erklärt worden war, so wurde mir doch auch erklärt, dass ich ihn nicht verkaufen dürfe, da er einen ganz besonderen Zweck erfüllen würde. Auch diese Vorhersage war absolut richtig! Diese ausgefuchsten Mönche, diese… 😉

Alles nicht so schlimm!

Ich beteuerte also der weinenden und wehklagenden Frau des Handlesers, dass es schon in Ordnung sei und mich der Verlust des Steines nicht im Ansatz so sehr betrübe, wie das Leid welches sie deshalb erfahren würde. Doch sie konnte einfach nicht aufhören, so dass aus dem Kochunterricht nichts wurde.

Als ich die beiden ein Jahr später zusammen mit Dunee besuchte um ihnen zu berichten wie alles dank dieses Zwischenfalls gekommen war, erklärten sie mir, dass sie natürlich auch deswegen so aufgewühlt war, weil sie ihr Missgeschick so bedauerte. Aber zudem hatten sich befürchtet, dass ich Schadensersatz fordern würde oder anderenfalls, da sie nicht in der Lage gewesen wären mich zu entschädigen, die Polizei rufen würde, was wahrscheinlich Gefängnis bedeutet hätte.

An jenem Abend als mir klar wurde, dass es aufgrund der Unpässlichkeit meiner Lehrerin wohl keine Kochstunde für mich geben würde, googelte ich nach Alternativen. Und da ich einige Tage in Negombo verbringen würde, erschien mir ein Angebot auf Withlocals.com am naheliegendsten. Zudem versprach der Titel des Angebots, dass ich den besten Kochunterricht von ganz Sri Lanka erleben würde. Also buchte ich und schrieb an die Gastgeberin Duneeshya eine Nachricht um darum zu bitten, ein vegetarisches Menü zu kochen. Sie bestätigte und so stand einer sicher sehr netten aber wohl kaum weltbewegenden Einweisung in die singhalesische Kochstunde nichts mehr im Wege.

Die Straßen Wellampitiyas

Ein paar Tage später war ich auf dem Weg zu der Location an dem der Kochunterricht stattfinden sollte. Nun ist es so, dass es auf Sri Lanka nicht unbedingt gesagt ist, dass die Hausnummern aufeinander abfolgen. Auch gibt es so etwas wie Straßennamen nicht immer und überall. Oftmals gibt es einen Platz oder eine zentrale, größere Straße und nach einem mir sich nicht ganz erschließenden System sind dann die Häuser mit einer bestimmten Nummer drum herum verteilt. So gibt es in einer Straße das Haus Nummer 10 und daneben steht das Haus Nummer 18. Davon gibt es dann unter Umständen noch zwei weitere in der selben Straße. Und so kann man selbst als Einheimischer schnell den Überblick darüber verlieren, wo man nun eigentlich hin muss. Dies wurde mir freilich erst bewusst, als ich durch die Straßen irrte um irgendwo die richtige Nummer zu finden. Was ich zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht wusste war, dass der Vorort in dem Duneeshya wohnte, so etwas wie Harlem für New York war und man hier selbst als das zwielichtigste Backpfeifengesicht Drogen, Nutten oder Waffen bekommen konnte.

Die Straßen von Wellampitiya
Die Straßen von Wellampitiya

So erstaunte es mich doch einen Augenblick lang, als ich an der Türe des Hauses mit der entsprechenden Nummer klopfte. Der Geruch, der vom Inneren nach draußen kam, war mir aus meiner wilden Sturm und Drangphase nur allzu vertraut…

Da auf mein wiederholtes Klopfen keine Reaktion erfolgte und es hier ohnehin nicht unüblich ist, ein Grundstück oder auch ein Haus einfach zu betreten, streifte ich meine Flip-Flops ab und ging hinein. Ich war mir ja sicher, an der richtigen Adresse zu sein und wir hatten eindeutig eine Verabredung, die mir Duneeshya auch am Morgen noch einmal bestätigt hatte.

Neue Freunde

Was ich in der guten Stube des Hauses allerdings vorfand war sicher nicht Duneeshya. Drei Jungs lagen mehr als sie saßen in einer Sitzecke, hatten ein breites Grinsen auf dem Gesicht und leicht blutunterlaufene Augen. In der Mitte stand ein kleiner Tisch samt Aschenbecher, in dem ein halb gerauchter Joint vor sich hin glimmte.

Ah, my friend! Come in!“, wurde ich mit einer erstaunlichen Gelassenheit empfangen. Der Konsum von Ganja ist hierzulande immerhin nicht solch ein Kavaliersdelikt wie in Deutschland. Doch mein neuer Freund schien ganz cool zu bleiben.

Er reichte mir den Stummel hin. „You want Ganja! Good smoke! Best prices!“

Ähm No, thank you! That‘s not what I‘m here for.“, entgegnete ich.

Irgendwie begann ich zu ahnen, dass ich hier falsch sein musste. Denn auch wenn die Jungs auf mich gut durch wirkten, so hatte das ganze doch überhaupt nichts mit einer Kochstunde gemeinsam.

Plötzlich und ohne dass ich es größer mitbekommen hätte, lag eine Pistole neben dem Aschenbecher. Fragend sah mich mein Freund an: „So you need gun. This good reliable. Like it?“

Nun begann der wirkliche Spaß also…

Seit Kriegsende ist Sri Lanka auch tatsächlich befriedet und nur noch Mitglieder der Exekutiven tragen offiziell Waffen. Doch Sri Lanka hat noch keine zehn Jahre zwischen sich und die abscheulichsten Kriegsverbrechen mit ethnischen Säuberungen, Massenhinrichtungen und Kindersoldaten gebracht. Und so treffen hier zwei Faktoren aufeinander, die nicht zwingend in eine friedlichere Zukunft führen: Verrückte Menschen und übrig Gebliebene Waffen, die nirgends registriert wurden und von deren Existenz niemand mehr weiß. Eine eben solche Waffe wird es wohl gewesen sein, die mir hier angeboten wurde und, komisch wie mein Kopf manchmal reagiert, der einzige Gedanke war die Frage, wie viele Menschen damit im Krieg wohl getötet wurden. Das die Stimmung hier ganz schnell kippen könnte und ich ein weiteres Opfer auf dieser Liste sein könnte, dieser Gedanke kam mir in diesem Augenblick nicht.

No, no… Thank you! That‘s really high quality and great offer.“, versuchte ich mich hier irgendwie heraus zu schmeicheln. „But, Mitura, see… Actually I‘m searching this girl, Duneeshya. Do you know her?“

Ein Ausdruck von Einsicht und Spitzbübigkeit legte sich mit einem breiten Grinsen auf sein Gesicht. Er ließ die schwarze Pistole einer deutschen Waffenschmiede eben so schnell wieder verschwinden, wie sie auf dem Tisch aufgetaucht war.

„Ahh… Now I see!“

Wir waren wieder zur ursprünglichen ausgelassen heiteren Stimmung zurück gekehrt, wobei nun auch etwas verwegenes und verschwörerisches den Subkontext seiner Stimme würzte.

You like ladys. You like to play with them… Naughty Kimba, ya?… You are my man! I have good clean girls for you! Very cheap and good nice ride!, dabei versuchte er mir neckisch an den Hoden herum zu zupfen, was ich mehr schlecht als recht abwehren konnte. Gequält versuchte ich über seinen Spaß zu lachen, doch in meinem Geiste kauerte ich, einem Messdiener nach der Beichte gleich und meine Beine fest umschlossen unter einer Dusche und wippte mit dem Oberkörper vor und zurück.

„No. She is teaching singhalese cooking. She gave me this address…“

Ich gab ihm mein Handy mit dem vereinbarten Treffpunkt darauf. In dem Augenblick da meine Fingerspitze den Kontakt zu dem Gerät verlor, wurde mir schlagartig bewusst, welch riesiger Hornochse ich doch war, so jemandem wie meinen neuen Freund mein Handy, das Spitzenmodell und Flaggschiff eines der zwei wichtigsten Hersteller, auch noch freiwillig auszuhändigen. Doch er warf nur einen kurzen Blick darauf und gab es mir zurück.

Oho… Ein Gangster und Zuhälter mit Ehre also. Das es das noch gab…

„No. Not this place. We not singhalese. We are muslim tamils. But you go end of the road! There is police station. My brother Mustafi working there. He knows people and he will help.“

Ein Familientreffen in dieser Familie war sicher ein echtes Erlebnis…

Ich bedankte mich für die Gastfreundschaft und die Hilfe und verabschiedete mich.

Im Nachhinein betrachtet ist mir durchaus bewusst, dass diese Begegnung sicher nicht zu den ungefährlichsten in meinem Leben zählte. Doch komischerweise muss ich ebenso einräumen, dass ich mich wenn auch nicht wohl, so zumindest auch nicht bedroht gefühlt habe. Ich hatte keine Angst und spürte aufrichtige Hilfsbereitschaft. Auf eine schäbige, schmierige Art empfand ich zugegebener Maßen auch so etwas wie Sympathie. Auf jeden Fall waren mein neuer Freund und seine Crew durchweg höflich (naja, das Sackerln gibt es auch in Deutschland und gilt unter Jungs als Sympathiebekundung). Und letzten Endes bin ich aus dieser Situation unbeschadet und ohne vergewaltigt oder ausgeraubt zu werden heraus gekommen.

Endlich richtig

Ich beschloss den Ratschlag anzunehmen und zur Polizeistation zu gehen. Duneeshya ging nicht ans Telefon und auf die gesendete Nachricht hatte ich noch keine Antwort bekommen. Auf meinem Weg kam mir ein älterer Mann mit knallrot gefärbtem Bart und Kaftan entgegen. Dieser Aufmachung nach musste er hier ein wichtiger und bekannter Mann sein. Womöglich hätte ich bei ihm ja Glück? Und in der Tat. Er konnte zwar mit dem Namen Duneeshya nichts anfangen, doch er wusste, dass es dort eine Lady gab, die Touristen das Kochen beibrachte. Er nahm mich an die Hand (und das meine ich wortwörtlich), gab mir zu bedenken, dass der Teil der Straße von dem ich komme, nicht gut für Fremde sei, und brachte mich bis vor ein graues Eisentor.

This is the place.“, erklärte er und verabschiedete sich von mir.

Ich schob das Tor zur Seite und betrat das Grundstück. Es war eine komplett andere Welt.

Hinter dem Tor lag ein liebevoll gepflegter Garten mit allerlei Blumen und Nutzpflanzen. Es war ein Gemüsebeet angelegt und Wildkräuter wuchsen in einem eigens für sie angelegten Bereich. Ein kleiner Schrein mit einer Buddhastatue zierte Garten und ein neugieriger aber freundlicher Hund kam auf mich zugestolpert. Alarmiert durch das laute Geräusch des Eisentores kam eine Frau auf den Balkon des Hauses und winkte mir zu. Dafür, dass sie sich in direkter Nachbarschaft zur muslimischen Gemeinde von Colombo befand und diese darüber hinaus noch ganz offensichtlich über Waffen verfügten, war sie doch reichlich spärlich bekleidet. Sie trug ein Babydoll, war geschminkt als ob sie ausgehen würde und ihre Haare sahen aus wie eine Löwenmähne.

Mein erster Blick auf meine heutige Ehefrau
Mein erster Blick auf meine heutige Ehefrau

 

Snowy - Das einzig männliche Wesen im Haus
Snowy – Das einzig männliche Wesen im Haus

Sie wies mich an, im Garten zu warten. Sie würde mich abholen. Ich nahm an, dass es irgendwo Sprengfallen und Selbstschussanlagen gab um sie vor meinem neuen Freund und seinen Homies zu beschützen. Und so tat ich wie mir geheißen.

Dunee und ich

Wer an der Kochstunde selbst interessiert ist, dem rate ich noch zu ein wenig Geduld. Schon bald veröffentlichen wir ein Buch mit unseren Lieblingsrezepten der Singhalesischen Küche (ein wenig Cross-Over mit der euröpäischen Küche wird auch mit dabei sein…). Näheres dazu gibt es schon bald hier auch auf diesem Blog.

Nachdem wir gekocht und gegessen hatten unterhielten wir uns eine ganze Weile über dies und das. Ursprünglich käme sie aus Kandy. Ich berichtete von meiner Zeit dort und was ich mit den Mönchen erlebt hatte. Wir plauderten und plauderten. Dabei stellten wir fest, wie viele Gemeinsamkeiten wir doch hatten. Ich berichtete Ihr davon, was ich auf der Suche nach ihr erlebt hatte und von meinen neuen Freunden. Sie erklärte mir daraufhin, wo ich mich hier befinden würde und mit dem Gedanken „Vorhof zur Hölle“ im Hinterkopf, geriet ich doch noch einmal kurz ins Schwitzen und dachte nach, ob ich meinem Freund irgendwelche persönlichen Informationen genannt hatte.

Beim Plaudern vergaßen wir völlig die Zeit und so musste ich mich verdammt sputen um noch meinen Zug zurück zu meinem Hotel zu bekommen. Bereits auf dem Weg zurück schrieben wir uns über Messanger weiter und schließlich lud ich sie ein, mich doch an einem Tag mal im Ranweli zu besuchen. Wir könnten schwimmen gehen (sie ist ehemalige Kampfschwimmerin der Navy und hat an vielen Wettkämpfen teilgenommen) und uns von Anthonys Frau bekochen lassen. Sie willigte ein.

Auch jener Tag an dem sie mich besuchte war sehr schön und wir redeten viel, aßen und tranken gut und freundeten uns immer mehr an. Zwar nahm ich zu diesem Zeitpunkt noch keine sexuellen Spannungen zwischen uns wahr. Aus meiner Sicht hatten wir einfach so viel gemeinsam, dass wir uns stundenlang unterhalten konnten (und jeder der mich kennt weiß, dass das eigentlich überhaupt nicht mein Ding ist…). Doch nachdem auch die Mitarbeiter des Ranweli, wie sich einige Tage später herausstellte, sauer waren weil sie der Meinung waren, dass ich mir meine Nutten direkt ins Hotel kommen lassen würde, muss es anscheinend da schon mächtig geknistert haben (Männer bekommen so etwas eben nicht mit! Sorry, Ladys!).

Gemeinsam unterwegs

Einige Tage später wollte ich mich auf ins noch immer nicht ganz entmilitarisierte Gebiet rund um Jaffna machen. Zu dem Zeitpunkt war diese ehemalige Hochburg der Tamil Tigers (den Kriegsgegnern der singhalesischen Regierung) touristisch noch so gut wie unerschlossen und ich hatte verschiedene Horror-Storys gehört, was mich dort alles erwarten würde. Zwar stellte sich heraus, dass dort nicht mit den abgetrennten Köpfen von Singhaesen und Ausländern Fußball gespielt wurde, ich nicht als Initiationsritus über ein Reisfeld voller Landmienen rennen musste und auch nicht in einen Kochtopf gesteckt wurde. Doch auch Dunee machte sich sorgen. Ich möge doch zumindest eine schusssichere Weste tragen, oder besser noch: sie sollte mich begleiten. Mädchen im Babydoll – Kevlar-Weste… Hmm… Ich glaube heute noch, dass das eine Masche war, denn ich sehe nicht, wie mich ihre Anwesenheit gegen Landminen oder MG-Salven hätte schützen sollen.

Kurzum: sie begleitete mich nach Jaffna und nachdem klar wurde, dass es hier nicht das geringste zu befürchten gab, konnten wir auch unsere Zeit in dieser wundervollen Stadt und die Ausflüge in die Region um Jaffna herum genießen. Nachdem wir über Anuradhapura und einer Woche Badeurlaub in Trincomalee schließlich wieder zurück nach Colombo kamen waren wir ein Paar. Entsprechend schwer fiel uns der Abschied am nächsten Morgen, wussten wir doch, dass ich erst einmal eine Weile in Deutschland bleiben müsste. Wir klammerten uns an den Plan, dass sie mich in Deutschland besuchen würde.

Deutschland schottet sich ab

Ich könnte jetzt auf die unglaubliche Arroganz unserer deutschen Behörden diesbezüglich eingehen, doch es reicht schon aus zu betonen, dass wir nie vorgehabt haben, in Deutschland zu leben. Es war von Anfang an klar, dass ich zu ihr nach Sri Lanka ziehen werde. Es hätte mir einfach viel bedeutet, wenn sie vor der Hochzeit einmal meine Heimat hätte sehen dürfen um in manchen Situationen die kulturellen Hintergründe zu kennen. Ich hätte es als wichtig empfunden, wenn sie selber einmal in einer Gedenkstätte für den Holocaust gewesen wäre um zu verstehen, weshalb ich nicht lache oder es süß finde, wenn sie mich ihren „kleinen Hitler“ nennt. Und auch den gesellschaftlichen Unterschied hätte sie erfahren sollen um zu verstehen, dass man sich tatsächlich in anderen Ländern auch in der Öffentlichkeit küssen darf, im Gegenzug seinen Müll aber nicht einfach aus dem Fenster auf die Straße wirft. Doch sie, wie auch alle anderen Asiaten die ich bisher zu diesem Thema befragt habe, konnte der deutschen Regierung nicht glaubhaft machen, dass sie nach Ablauf des Visums nicht doch illegal im Land bleiben würde. Sehr gut, Deutschland! So wird es gemacht! Völkerverständigung ist ja so nebensächlich wenn es darum geht, uns vor Hass und Terror zu schützen…

Sei es wie es ist, und ich höre den ein oder anderen schon schreien, dass uns genau so etwas gegen den Terror beschützen würde, doch stellt sich die Frage mit Henne und Ei… In jedem Fall verstrich tatsächlich etwa Zeit, bis wir uns wiedergesehen haben und dieses Mal versuchte ich bereits ein wenig Alltag mit einzustreuen. Ich wollte einfach wissen, ob unsere Gefühle für einander nur der Urlaubssituation geschuldet waren, oder ob sie auch im Alltag bestehen könnten. Auch dieser Test verlief positiv und so schmiedeten wir gemeinsame Zukunftspläne. Inzwischen ist so etwas wie Alltag eingekehrt und in rund einer Woche werden wir hier auf Sri Lanka heiraten. Ich pendele fleißig zwischen Deutschland und Sri Lanka hin und her, aber ab Oktober oder November werde ich dauerhaft hier bleiben.

Ausblick in die Zukunft

Sicher, keiner weiß was kommt. Und so möchte auch ich nicht ausschließen, dass ich nicht eines Tages nach Deutschland zurück kehre. Denn nicht alles ist schlecht dort und nicht alles super hier. Das habe ich nie gedacht, bin mir bewusst, wie viel Glück ich hatte dort in Deutschland geboren worden zu sein. Alles andere wäre zum Auswandern auch das falsche Mindset! Wenn man auswandert, dann sollte man nicht vor irgendwem oder irgendwas auf der Flucht sein. Außerdem sollte man sich immer darüber bewusst sein, dass man – ganz gleich wohin man geht – sich immer selber mit dahin nehmen wird. Man kann durch das Auswandern also auch nicht vor sich selbst fliehen.

Ich bin gespannt wohin uns unsere Reise führen wird. Eine Ehe ist sicher nicht einfach und wie mir eine Kollegin mal recht plastisch schilderte: „Eine Ehe ist ein täglicher Kampf, doch am Ende ist es die Sache wert.“

Und wenn es wirklich hart auf hart kommt, dann denke ich an die Weissagungen der Mönche und des Handlesers. An den Edelstein, der uns zusammengeführt hat, an Kandy und dessen Bedeutung und an die Anweisung, mich nicht zu sehr zu wehren.

In diesem Sinne wünsche ich Dir einen schönen Tag.

Love and Peace!

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