(K)ein Abschied für immer…?

KEin Abschied für immer

Dieser Sommer sollte ja dazu dienen, noch einmal ganz bewusst Abschied von Deutschland zu nehmen. Und so habe ich die letzten Tage an der Ostsee, genauer in Eckernförde, meiner alten Heimat verbracht. Zwar war die Zeit aus dienstlichen Gründen sehr beschränkt, aber wettertechnisch hatten wir sehr viel Glück gehabt. Wir haben alte Freunde getroffen, Zeit im Strandkorb verbracht und noch einmal die Orte besucht, die untrennbar mit meiner Kindheit verbunden sind.

Wer einmal an der Küste war, der weiß, dass dort alles ein wenig gemütlicher zugeht und auch nicht mit Action und Nervenkitzel zu rechnen ist. Doch genau das habe ich grade gebraucht und sehr genossen. Außerdem haben wir alte Freunde getroffen, worüber ich mich nach so langer Zeit sehr gefreut habe.

Leben ohne Handy

Eher unfreiwillig habe ich ein Selbstexperiment gemacht, welches mich unterm Strich begeistert und von dem ich hier kurz berichten möchte:

Wie es der Zufall wollte (oder eben das Schicksal), ist just in diesen Tagen auch mein Smartphone in die Knie gegangen. Ein Akku hat sich bis auf die doppelte Dicke aufgebläht und selbst mit Ersatzakku funktioniert mein Telefon jetzt nur noch am Netzkabel. Das bedeutet, dass ich mein Handy kaum am Mann hatte, nur sehr wenige Fotos gemacht habe und mich ohne die Ablenkung durch die virtuelle Welt auf das Abschiednehmen konzentrieren konnte.

Minimalismus

In der letzten Zeit beschäftige ich mich sehr intensiv mit dem Minimalismus – davon werde ich demnächst hier öfters mal berichten. Dabei handelt es sich um einen Lebensstil, bei dem man seinen Besitz und das persönliche Lebensumfeld auf das absolut Notwendige reduziert.

In meinem Fall handelte es sich zunächst um rein praktische Überlegungen, da ich meinen materiellen Besitz in den nächsten vier Monaten auf 20 Kilogramm eindampfen muss. Je intensiver ich mich mit den verschiedenen Schulen des Minimalismus beschäftigte, desto mehr zog mich das Ganze in seinen Bann. Die Fragen, die mich immer öfter ereilen sind: „Brauche ich das wirklich?“, „Fügt das meinem Leben wirklich Nutzen hinzu?“ oder „Wozu brauche ich das gleich in zigfacher Ausführung?“. Wie gesagt, ich werde von meinen Erfahrungen diesbezüglich demnächst gesondert berichten.

Doch an dieser Stelle erst einmal zurück zu meinem Smartphone:

Ich hätte nicht gedacht, dass ich so problemlos darauf verzichten kann. Beziehungsweise hing es ja in der Ferienwohnung an der Steckdose, ich konnte es einfach nur nicht ständig bei mir haben. Das sich das Ganze als kein Problem erweisen würde, hätte ich vorher nicht gedacht. Und noch mehr erstaunte mich: Es war sogar ein echter Gewinn, konnte ich mich doch um so besser auf die Dinge konzentrieren, die jetzt und hier zählten.

Patrick alias SEOM erzählt auf seinem neuen Album „Sternenstaub“ die Geschichte eines Unbekannten, der zunächst nur durch seine „Blau-weiße, virtuelle Scheibe“ lebt und diese hypnotische Scheinwelt schließlich durchbricht um endlich die wahre Welt wieder wahrzunehmen. Ich glaube nicht, dass man es so drakonisch sehen muss und sich komplett der virtuellen Welt zu entziehen hat.

Ich hätte aber zumindest erwartet, dass ich ähnlich wie ein Raucher, nichts mit meinen Fingern anzufangen wüsste, wenn ich nicht ständig mit meiner Frau chatte, schaue was auf Facebook los ist oder Fotos schieße um sie auf Insta zu posten. Und zugegebenermaßen, das ein oder andere Foto mehr hätte ich schon ganz gerne gemacht, auch wenn diese eher privat der eigenen Erinnerung gedient hätten. Doch unterm Strich habe ich nichts wirklich vermisst.

Dieser Umstand lässt mich die Liste mit den Dingen, die ich behalten möchte, noch einmal überdenken. Lässt sich evtl. auf noch mehr verzichten? Brauche ich die verbleibenden 57 Posten wirklich alle oder lässt sich da noch etwas mehr einsparen? Und was ist wirklich wichtig in meinem Leben? Natürlich gibt es auch Dinge, die keinen wirklichen Nutzen haben und eher in die Kategorie „Andenken und Erinnerungsstücke“ fallen. Doch was davon brauche ich wirklich, um mich zu erinnern? Auch wenn ich eine Mappe mit Fotos als eine einzige Sache zähle, so reicht doch auch ein einziges Bild aus meiner Ausbildungszeit – es braucht keine 25 Stück davon.

Mein Fazit – und das ist mein Learning dieser Tage:

Das Abschied nehmen vollzieht sich auf allen Ebenen – nicht nur innerlich und nicht nur äußerlich. Aber manchmal klammert man sich derart an Altes, das Neues nur mit viel Mühe gelingen kann. Wenn wir erst einmal wirklich erkannt haben, was in unserem Leben wirklich zählt, können wir unbeschwert von altem Ballast die Flügel spreizen und losfliegen.

In diesem Sinne wünsche ich Dir eine gute Zeit.

Love and Peace,

Stefan

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