Hochzeit auf Singhalesisch

Hochzeit auf Singhalesisch

Angefangen hat alles mit einer Backpackingtour auf Sri Lanka…

Und nun ist es also endlich geschafft. Ich bin unter der Haube und meine Mutter hat den Kelch an eine Andere weitergereicht: Duneeshya Dittrich. Doch bis es soweit war, standen einige Hürden an und wer mich kennt kann sich jetzt schon denken, dass meine Hochzeit alles andere als gewöhnlich war…

Warum? – Nun ja, meine Hochzeit fand nicht etwa in einer Kirche statt und ich trug, außer am Tag zuvor beim Leisten der Unterschrift, zu keiner Zeit einen schwarzen Anzug. Wir heirateten in weiß, und damit meine ich uns beide. Auch hatten wir beide einen Rock an, wenngleich der traditionelle Rock für Männer hier „Saron“ heißt.

Wir haben am Ufer einer Lagune, stehend auf einer Bühne und wild mit Bethel-Blättern um uns werfend, im Rahmen einer Poruwa-Zereminie geheiratet. Von diesem Ereignis und den vorhergehenden Abenteuern möchte ich Dir in diesem Artikel berichten.

Wie alles anfing…

Als ich Duneeshya vor rund zwei Jahren kennenlernte, hat das Glück, bzw. besser das Schicksal, mehr als nur nachgeholfen. Von unserem Kennenlernen habe ich bereits in einem anderen Artikel berichtet. Die Frage nach einer Hochzeit stand dabei von Anfang an im Raum, denn es ist für hiesige Verhältnisse bereits sehr modern und aufgeschlossen, dass ihre Mutter überhaupt erlaubt hat, dass Dunee mit einem fremden Mann zwei Wochen alleine über die Insel reiste. Spätestens als klar war, dass wir mehr als nur Freunde sind, war es also wichtig, dass wir Nägel mit Köpfen machen.

Dunee kann sich bis heute nicht vorstellen, dass es in Deutschland Paare gibt, die Jahre und Jahrzehnte ohne Trauschein zusammenleben. Und unverheiratete Menschen über dreißig werden hier als absolut hoffnungsloser Fall betrachtet – steht doch für die Familie und Nachbarn fest, dass sie fast schon Großeltern sein sollten. So wäre es für Duneeshya wichtig gewesen, bereits letztes Jahr zu heiraten. Doch zum einen sehe ich nicht, dass es auf das eine Jahr mehr oder weniger wirklich ankommt, zum anderen mache ich Dinge erst dann, wenn ich mir auch sicher bin. Und so forderte ich etwas mehr Zeit um zu sehen, ob sich nach der ersten Verliebtheit auch Liebe einstellen würde.

Das war der Fall und nachdem die deutschen Behörden uns einen Strich durch den Plan gemacht hatten, sie käme mal für einen Monat nach Deutschland um meinen Alltag kennenzulernen (Visum wurde abgelehnt da „Zweifel bestünden, sie würde das Land nach Ablauf der Visumsfrist auch wieder verlassen“…), war für mich klar: Jetzt erst recht!

Ich hatte schon immer Probleme mit Autoritäten und wenn mir jemand Daumenschrauben anlegen möchte, dann begehre ich auf. Ich weiß nicht, wie oft meine Mutter zu einem ernsten Gespräch mit meinen Lehrern geladen wurde, weil ich wiedermal nicht klein bei geben und beispielsweise ausdiskutieren wollte, dass es in der Wüste nicht IMMER heiß und trocken ist (dies hatte mir eine Eins in einer Geographie-Arbeit versaut und nachdem ich den Lehrer aufgefordert hatte, doch mal eine Nacht in der Wüste zu verbringen um zu sehen wie falsch er lag, musste sich meine Mom abermals einen Tag vor Heiligabend anhören, was für ein neunmalkluger kleiner Klugscheißer ich sei…). Den selben Knopf hatte das auswärtige Amt mit seiner Ablehnung gedrückt und so war dies der letzte Schubser in Richtung Ehehafen.

Der Antrag

Als ich vor etwas mehr als drei Monaten wieder einmal auf Sri Lanka war, hatte ich ein ganz besonderes Schmuckstück im Gepäck. Zwar hatte Dunee darauf hingewiesen, dass ein klassischer Antrag hier nicht üblich und überflüssig sei, doch einen letzten Rest meiner westlichen Kultur wollte ich mir nicht nehmen lassen. Außerdem hatte ich geplant, eine Weile ganz normalen Alltag in Colombo mit ihr zu verbringen. Denn dies ist etwas völlig anderes, als wenn man als Tourist die Insel im Rahmen eines wunderschönen Urlaubs bereist.

Der Alltag auf Sri Lanka ist hektisch, wuselig, chaotisch und von so allerlei Unannehmlichkeiten geprägt, die man als Urlauber höchstens grob erahnen kann. Die Rushhour, Probleme mit dem Internet und der Stromversorgung, unpünktliche und unzuverlässige Geschäftspartner… In diesem Artikel berichte ich von 10 Dingen, die hier schnell mal nerven können und wie mir die zum Teil recht emotionalen Reaktionen mancher Sri-Lanka-Urlaubs-Fans bestätigen: Diese Probleme bleiben einem verborgen oder werden als nicht so dramatisch empfunden, wenn man als Tourist hier her kommt.

Kurzum: Ich verbrachte also einen vollen Monat in Colombo um den Alltag zu erleben. Ich lernte die Schwierigkeiten und Hindernisse kennen und entwickelte entweder Strategien, um mit diesen umzugehen oder überlegte mir sehr genau, ob ich sie in Kauf zu nehmen bereit war. Für die Probleme mit der Stromversorgung und dem Internetzugang gibt es Workarounds, z.B. eine vernünftige Powerbank, ein Smartphone, welches als mobiler Hotspot dient oder ein eigenes WiFi-Modem von Dialog. An der Rushhour kann ich nichts ändern, nehme inzwischen aber einen Chauffeur in Anspruch, so dass ich bereits auf dem Weg ins Büro mit der Arbeit beginnen kann.

Ich kam also letzten Endes zu dem Ergebnis, dass ich mir auch ein alltägliches Leben auf Sri Lanka durchaus vorstellen kann. Ein Leben in Deutschland kommt für Duneeshya nicht in Frage und auch mich zieht es trotz all der Vorteile in Deutschland eher in die Ferne. So war also klar, dass wir eine Zukunft zusammen planen wollten und dass ich bei ihr auf Sri Lanka leben würde, bzw. hier meine Home-Base aufbaue um von dieser aus die Welt zu bereisen.

Was allerdings noch fehlte, war ein Treffen mit ihren Freunden. Dunee kann man getrost als Luxus-Lady bezeichnen, die viel in der Highsociety Colombos verkehrt, weshalb ich mich fragte, ob ich mit meinem weniger materialistischen Lebensstil dort überhaupt rein passen würde. Eines Tages kamen uns dann schließlich Kalpana und Nalin besuchen. Sie ist Model und Bollywood-Schauspielerin, er ein sehr erfolgreicher Autohändler. Doch beiden war nicht das geringste von Allüren anzumerken. Wir unterhielten uns sehr gut, tranken ein paar Lion Lager und als Duneeshya grade einen Augenblick nicht anwesend war, weihte ich die beiden ein. Ich zeigte ihnen den Ring und nachdem sie mir ihren Segen gaben, war der große Augenblick gekommen.

Wir riefen Dunees Mutter hinzu und unter dem Vorwand, wir würden nun ein paar Fotos machen, ließen wir alle Stellung einnehmen. Als ich niederkniete und Dunee mit den Worten „Will you marry me?“ den Verlobungsring anbot, schien sie zuerst nicht richtig zu verstehen. Doch nach einem kurzen Moment der Verwirrung willigte sie schließlich ein und ihre Mutter schien erleichtert, da der komische Mann aus Deutschland es doch tatsächlich ernst zu meinen schien.

Der ursprüngliche Plan

Ich bin kein großer Fan von Klimbim und Tamtam. Deshalb schlug ich vor, dass wir es einfach halten und lediglich standesamtlich heiraten. Außerdem stellte sich die Frage: Wenn wir im Rahmen einer Zeremonie heiraten würden, wie sähe das Ganze dann aus? Ich bin Christ und sie Buddhistin. Eine Kirche würde uns (zumindest in Deutschland) nicht heiraten lassen ohne dass sie konvertieren und sich taufen lassen würde. Wie die Regeln diesbezüglich im singhalesischen Buddhismus sind wusste ich damals noch nicht. Also einigten wir uns darauf, auf eine Zeremonie zu verzichten und es schlicht und einfach zu halten. Als Termin wählten wir den März diesen Jahres und bis dahin war noch einiges zu erledigen…

Formulare von der Wiege bis zur Bare

Ich denke jede Hochzeit bringt einen gewissen Papierkrieg mit sich, doch ganz besonders dann, wenn man als Deutscher eine Frau in der dritten Welt heiraten möchte. Hinzu kommt eine ganz gewisse, sehr subtile Form des Rassismus, denn von 100 Leuten, die von meinen Heiratsabsichten hörten, gingen 99 erst einmal davon aus, dass Duneeshya lediglich auf eine Eintrittskarte nach Europa scharf war oder sich erhoffte, nun finanziell abgesichert zu sein. Dabei ist es wenn überhaupt, doch genau anders herum der Fall. Durch die Hochzeit genieße ich den Luxus auch länger als dreißig Tage hier bleiben zu können, ohne aufwendig und teuer mein Visum verlängern zu müssen. So habe ich auch die Möglichkeit Eigentum auf Sri Lanka zu erwerben und meinen Geschäften nachzugehen, ohne von einer lokalen Firma ein Einladungsschreiben vorweisen zu müssen.

Doch diese Überlegungen spielten nur ganz am Rande eine Rolle. Vielmehr ging es uns darum, die Erwartungen und Traditionen zu erfüllen. Denn unverheiratet hier in wilder Ehe zu leben, das ist vollkommen undenkbar.

Sei es drum. Mit den Ideen, Vorstellungen und Befürchtungen der Familie oder Freunde umzugehen war eine Sache. Zwar offenbarten in diesem Rahmen einige Menschen einen verkappten Rassismus, den sie selbst wahrscheinlich nicht als solchen wahrnehmen würden und ihn auch heute weit von sich weisen würden. Doch diesbezüglich konnte ich die Ohren einfach auf Durchzug stellen und es ignorieren. Viel unangenehmer war der vorherrschende Rassismus deutscher Behörden. Auch hier konnte man sich absolut nicht vorstellen, dass sich zwei Menschen aus völlig unterschiedlichen Ländern und Kulturen finden, um den Rest des Lebens miteinander verbringen zu wollen. Mir fehlen Erfahrungswerte diesbezüglich, doch ich bin sehr skeptisch, ob mir so viele Mitarbeiter in Ämtern zur Vorsicht geraten hätten, wenn es sich um die Eheschließung zwischen zwei Deutschen gehandelt hätte, oder meine Zukünftige Ehefrau zumindest aus Europa käme.

Ein zusätzliches Hindernis ist die Tatsache, dass es nirgends eine vernünftige Auskunft darüber gibt, welche Papiere wir nun alles benötigen würden. Ich habe mich auf den verschiedensten Wegen zu diesem Thema informieren wollen.

Bei der deutschen Botschaft in Colombo: Die Webseite gibt an, dass ich einen aktuellen Auszug aus dem Melderegister, meine Geburtsurkunde und meinen Reisepass benötige.

Freunde, die bereits auf Sri Lanka geheiratet haben: Diese meinten, ich bräuchte ein Ehefähigkeitszeugnis. Dies ist ein recht langwieriger Prozess, der ein Amtshilfeersuchen benötigt und neben viel Zeit und Geld auch optimaler Weise eines Anwaltes bedarf. Es werden sämtliche Dokumente im Original benötigt und von verschiedenen Stellen auf Echtheit und Richtigkeit überprüft.

Die Botschaft von Sri Lanka in Berlin: Deren Website gibt an, dass ich neben meiner Geburtsurkunde einen Ledigkeitsnachweis benötige. Ein solcher bestätigt ausschließlich, dass ich noch nicht verheiratet bin. Im Gegensatz zum Ehefähigkeitszeugnis wird hier nicht speziell die Ehe zwischen zwei Partnern überprüft, was ebenso sämtliche Formulare von Duneeshya benötigen würde, sondern es wird einfach nur bescheinigt, dass ich noch unverheiratet bin. Üblicherweise reicht hier ein Auszug aus dem Melderegister.

Das Standesamt an meinem Wohnort: Hier hatte man überhaupt keine Ahnung, was nun wirklich benötigt würde. Man war mir aber in so fern behilflich, dass man sich viel Zeit nahm und gemeinsam mit mir im Internet auf Suche ging. Im Grunde erfuhr ich dort zwar nichts Neues, bekam aber noch einmal einen kleinen Einblick davon, was für ein Akt ein Ehefähigkeitszeugnis sein würde und die Gewissheit, dass dies bis zum anvisierten Zeitpunkt so gut wie unmöglich wäre.

Das Standesamt an meinem Geburtsort: Ich bin nicht in Frankfurt geboren worden und zudem hatte ich noch eine völlig veraltete Geburtsurkunde. Diese sollte ich sicherheitshalber neu beantragen und könnte sie mir dann direkt mehrsprachig ausstellen lassen. Denn selbstverständlich würde ich alle Dokumente zumindest ins Englische übersetzt benötigen. Also kontaktierte ich das Standesamt an meinem Geburtsort und hier gab es schließlich eine weitere Information:

Dokumente wie eine Geburtsurkunde können in zwei verschiedenen Ausführungen beantragt werden. Einmal „ganz normal“ und dann mit einer so genannten Apostille. Davon hatte ich noch nie gehört und nachdem mir erklärt wurde, was dies ist, bin ich um so mehr der Meinung, dass sich da Bürokraten einfach einen Arbeitsplatz geschaffen haben. Eine Apostille bescheinigt durch eine weitere Behörde, dass die ausstellende Behörde dazu befugt ist, und ihre Arbeit auch richtig gemacht hat. Da fragt man sich doch, wann die Meta-Apostille erfunden wird, die der beglaubigenden Behörde wiederum ihr Dasein bestätigt.

Ob ich nun für eine Eheschließung auf Sri Lanka eine Geburtsurkunde mit oder ohne Apostille benötigen würde, das konnte mir freilich auch nicht der Mann auf dem Standesamt sagen. Er riet mir, mich im Zweifelsfall an die deutsche Botschaft in Colombo oder an die Botschaft von Sri Lanka in Berlin zu wenden.

Auch in diversen Foren und auf Facebook hatte ich verschiedene Auskünfte bekommen und wie das im Netz ja so üblich ist: jeder war sich felsenfest sicher, dass seine Auskunft die richtige ist. Also alles Retour und noch einmal die Botschaften abklappern!

Die deutsche Botschaft in Colombo: Ich weiß nicht, ob es sich nur um eine Art Briefkastenfirma der deutschen Regierung handelt, doch weder telefonisch noch via Email habe ich bis heute irgendeinen Beweis dafür erhalten, dass diese Botschaft wirklich existiert. Per Telefon war niemand zu erreichen und mehrere Emails blieben unbeantwortet. Eigentlich schon schade, bedenkt man, dass ich als Steuerzahler in Deutschland und als Bürger der Bundesrepublik doch auch mit der Arbeitgeber der Damen und Herren bin.

Die Botschaft von Sri Lanka in Berlin: Hier konnte ich problemlos jemanden ans Telefon bekommen (Deutschland nimm Dir ein Beispiel!). Allerdings war die Auskunft, die ich erhielt eine andere, als wie sie auf der eigenen Website stand. Und ganz offensichtlich kannte dort niemand den Unterschied zwischen einem einfachen Ledigkeitsnachweis und einem Ehefähigkeitszeugnis. Doch gemäß des Mottos „Wer viel fragt, erhält viele Antworten“ beschloss ich, mich mit der finalen Antwort zufrieden zu geben und die einfachste aller Versionen zu wählen. So brachte ich also die folgenden Dokumente mit:

  • Meinen Reisepass
  • Ein Visum, das bestätigte, dass ich mich schon vor Eheschließung mindestens eine Woche auf Sri Lanka aufhielt.
  • Meine Geburtsurkunde (mehrsprachig und ohne Apostille)
  • Love and Peace!Einen mehrsprachigen Auszug aus dem Melderegister (als Nachweis meiner Ledigkeit → „Single“)

Und ja, das hat auch gereicht. Unsere Standesbeamtin hier auf Sri Lanka hat sich die meisten der Dokumente noch nicht einmal angesehen und wahrscheinlich ist es wie bei so vielem hier: es gibt keine klaren Vorschriften und es liegt immer ein Stück weit im Ermessen der ausführenden Person.

Wie sich der ursprüngliche Plan veränderte…

Zur Erinnerung: wir hatten geplant lediglich standesamtlich zu heiraten und anschließend mit dem engsten Kreis irgendwo Essen zu gehen. Schlicht und einfach, bloß nicht zu viel Gedöns.

Ja denkste!

Nachdem ich nicht im Lande war um mich angemessen sträuben zu können, beschlossen meine zukünftige Frau und Schwiegermutter, dass eine traditionelle Poruwa-Zeremonie doch eher angemessen sei und ich mit viel Pomp und Getöse in der traditionellen Kluft des Königs auf einer Bühne stehend zu heiraten hätte. Ich versuchte mich via Mail, Skype und Messanger zu wehren und immerhin konnte ich die vorgesehenen Elefanten verhindern, auf welchen ich laut ursprünglichem Plan hätte einreiten sollen. Doch an der Zeremonie führte kein Weg mehr vorbei.

Aladin und die Wunderlampe

Nach meiner Ankunft auf Sri Lanka standen einige Termine an. Wir mussten meine Gewänder für die Zeremonie besorgen, die Location checken und den Schmuck aussuchen. Hier ist es mit einer Garderobe nicht getan. Ebenso hat der Bräutigam seiner Braut auf der Bühne (Poruwa) nicht nur einen Ring anzustecken, sondern auch eine goldene Halskette, nach welcher die Gäste entscheiden können, ob es sich um einen guten Fang handelt.

Natürlich, und da sind sich Frauen in den Tropen und Frauen im Westen sehr ähnlich, ist das Shoppen des Schmucks bereits Teil des Hochzeitserlebnis, weshalb jeder einzelne der 380.000 Ringe und 756.000 Ketten im Laden begutachtet und anprobiert werden muss. Wie wahrscheinlich jeder Mann bin auch ich ein Shopping-Muffel und habe mir in weiser Voraussicht mehrere eBooks auf mein Handy geladen. Etwa vier Stunden und drei eBooks später war die Auswahl getroffen.

Nun stand das Maßnehmen und die Auswahl meiner Kleider für die eigentliche Zeremonie so wie für die anschließende Feier an. Konnte ich mich bei Ersterem noch durchsetzen und die „prunkvolle“ Bekleidung des Königs gegen ein schlichtes „National“ austauschen, so kompensierte meine Frau diesen Deal bei der Wahl meiner „Kurta“, dem Gewand für die anschließende Feier. Und so kam es, dass ich zwar in einem schlichten weißen Leinengewand mit Wickelrock heiraten würde, danach aber in 1001 Nacht eintauchte um auszusehen wie Aladin mit Pigmentstörung. Meine Schuhe waren ein ganz besonderes Highlight…

Die Zeremonie

Unsere Zeremonie fand in einem Hotel der Air Force an einer Lagune statt. Hierzulande gibt es einige solche Einrichtungen, die (ehemalige) Angehörige der Streitkräfte zu einem recht günstigen Preis nutzen können. Da Dunee früher Kampfschwimmerin bei der Navy war und für Sri Lanka einige Wettbewerbe gewonnen hat, wurde uns hier ganz besondere Priorität eingeräumt.

Die einzelnen Prozeduren der Poruwa-Zeremonie ausführlich zu beschreiben, würde einen eigenen Artikel füllen und sicher werde ich demnächst auch näher darauf eingehen. Doch an dieser Stelle möchte ich mich nur kurz auf die Symbolik dahinter einlassen.

Die Ursprünge liegen in den alten Zeiten, als der Bräutigam mit seiner Familie unter viel Pomp und Getöse im Hofstaat der Braut einzog. So folgten auch wir in einer Parade von Trommlern, Muschelbläsern und Salto schlagenden Tänzern. Wie gesagt: die Elefanten konnte ich grade noch verhindern.

Wir wurden auf die Bühne (Poruwa) hoch gehoben, warfen dort mit Bethel-Blättern um uns um unsere Ahnen zu ehren, fütterten uns gegenseitig, hüllten uns symbolträchtig in Gewändern und übergaben unseren Müttern aus Dankbarkeit Sarees. Schließlich tauschten wir die Ringe aus und wurden von meiner Mutter am Ringfinger mit einem gesegneten Bindfaden aneinander gebunden. Dunees Mutter ließ ebenso von Mönchen gesegnetes Wasser aus einer Muschel über den Bindfaden laufen und damit waren wir dann auch nach traditionellem Verständnis Mann und Frau. Schließlich sangen junge Mädchen ein Lied für uns und wir hatten noch ein paar symbolische Etappen abzuarbeiten. Unter anderem hatten wir Milch über einen Turm aus Krügen zu ergießen. Diese Symbolik erschloss sich sogar meiner Mutter, weshalb ich ein leises Kichern hinter mir hörte…

Die Feier

Nachdem er offizielle Teil erledigt war, hatten wir mit jedem einzelnen Gast zu sprechen bevor es gemütlich werden konnte. Etwa zwei Stunden Small Talk später konnten wir endlich das Buffet für eröffnet erklären, indem wir uns als erste bedienten. Speziell für uns war ein Tisch auf einem niedlichen Steg in der Lagune aufgestellt worden und so hatten wir einen unvergesslich schönen Blick auf unsere Hochzeitsgesellschaft und den beleuchteten Garten.

Schließlich hatten wir uns umzuziehen um unseren Hochzeitstanz aufzuführen. Auch was „kurz mal umziehen“ angeht, so sind sich ebenfalls die Frauen hier und Frauen in Deutschland gar nicht mal so unähnlich. Einige der Gäste nahmen bereits an, dass wir uns bereits zurück gezogen hatten um mit den Flitterwochen zu beginnen…

Als wir schließlich zurück in den Garten kehrten – nun trug ich mein Aladin-Kostüm – hatten wir geplant, jetzt zu tanzen. Doch wir sind auf Sri Lanka, da läuft nichts so, wie man es geplant hat. So setzte unsere Musik bereits nach dreißig Sekunden aus und der Tanz war abgesagt.

Um meine Frustration zu verstehen musst Du wissen, dass ich eigens zu Tanzstunden verdonnert wurde und bei 40 Grad im Schatten insgesamt 15 Stunden eine Choreographie mit einem Tanzlehrer einzuüben hatte. Alles für den „Spaß an der Freude“. Denn das plumpe hin und her Geschaukel, welches wir schließlich den Gästen boten, hätten wir garantiert auch ohne Tanzstunden hinbekommen… That‘s Sri Lanka, That‘s how people doing here…

Das Ende der Feier

Da wir wie gesagt an einer Lagune feierten, wurden wir nicht von einem Auto abgeholt, sondern fuhren mit einem Boot in die Nacht. Während unserer Fahrt konnten wir leuchtende Fische neben dem Bot springen sehen und es war ein gelungener Abschluss einer sehr schönen Feier.

Sicher, grade meine Familie hätte sich meine Hochzeit einmal ganz anders vorgestellt, doch wer würde schon etwas gewöhnliches von mir erwarten? Und auch wenn es schlussendlich völlig anders war, als ich es mir ursprünglich vorgestellt habe, so fand ich es doch eine sehr gelungene Feier. Als frisch gebackener Ehemann sollte ich mich wohl besser früher als später daran gewöhnen, dass meine Frau ihren Willen bekommt…

Die Griechen haben ein Sprichwort: „Der Mann ist der Kopf der Familie. Die Frau ist der Hals. Und der Hals kann den Kopf in jede beliebige Richtung drehen.“ 😀

In diesem Sinne,

Love and Peace!

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