Heimat

Heimat

Dies ist also nun der erste Eintrag in meinen persönlichen Blog. Wo soll ich beginnen?… Ja, am besten genau damit.

Wie alles Anfing.

Seit meiner Kindheit trage ich in mir ein tiefes Gefühl der Entwurzelung. Ursache war wohl der Umzug von der Ostsee nach Frankfurt. Ich möchte klarstellen, dass ich meiner Mutter niemals deswegen Vorwürfe gemacht habe und ich kann verstehen, weshalb sie sich damals für diesen Schritt, der ihr sicher auch nicht leicht gefallen ist, entschieden hat. Doch erkläre das einmal einem vier Jahre alten Kind…

Auch meine Mutter kannte und kennt dieses Gefühl des Fernweh. Angetrieben durch diesen Ruf der Ferne besuchte sie unter Anderem mehrfach Sri Lanka, noch vor meiner Geburt und lange bevor dieses Paradies touristisch erschlossen wurde. Schließlich wagte auch sie den Schritt, die Heimat zu verlassen, und zog von Frankfurt am Main nach Eckernförde an der Ostsee. Ursprünglich war geplant nur ein Jahr dort zu leben, doch schließlich wurden zwölf Jahre daraus.

Ich kann mich noch an Szenen aus meiner frühen Kindheit erinnern und ich weiß wie glücklich ich war, wenn wir am Strand waren oder im Hafen die Schiffe beobachteten. Ich war fasziniert von der Vorstellung, was diese Seeleute auf ihren Reisen wohl erlebten. Natürlich waren dies die naiven, romantischen Phantasien eines Kleinkindes, das von Piraten, einsamen Inseln und Abenteuern träumte. Doch das Meer hatte mein Herz in seinen Bann gezogen.

Der Umzug.

Aus beruflichen Gründen und sicher auch auf Grund des Tod meines Vaters, traf meine Mutter schließlich den Entschluss zurück nach Frankfurt zu kehren. Auch wenn dieser Umzug von mir insgesamt als recht traumatisch erlebt wurde, so war der für mich schlimmste Moment doch einer, der objektiv und mit etwas Abstand betrachtet lustig erscheint.

Wir waren grade im Frankfurter Westen angekommen und hatten unsere Sachen ausgepackt, als ich zu meiner Mutter sagte: „Jetzt will ich hier ans Meer und den Strand sehen.“

Als Kind, das ständig fußläufig am Meer lebte, war es für mich selbstverständlich, dass es überall einen Strand und Zugang zum Meer gibt. Ich hatte keine Ahnung, dass wir an einen Ort gezogen waren, an dem es anders war. Schließlich verstand ich doch noch, dass es keinen Weg zurück ans Meer gab. Ich sprach eine Weile lang nicht mehr mit meiner Mutter weil ich so sauer war, von ihr an einen solch „schlimmen Ort“ ohne direkten Zugang zum Meer „verschleppt“ hat und zum Anderen traf ich damals den Entschluss als Erwachsener zurück in die Heimat zu kehren.

 Was ist Heimat?

„Heimat“ heißt für mich heute einfach nur ein Ort mit Strand oder zumindest der Möglichkeit jeder Zeit ans Meer zu fahren. Zwar fühle ich mich auch im Winter an der Ostsee wohl, doch da ich Sonne und Wärme brauche, ist eine tropische Insel wie Sri Lanka die wirkliche Heimat meines Herzens.

In Frankfurt habe ich mich nie zuhause gefühlt und auch wenn ich mich über mein Leben hier nicht wirklich beschweren kann, so bin ich im Rhein-Main-Gebiet nie wirklich angekommen. Mehr oder weniger unbewusst hatte ich immer den Plan, möglichst schnell wieder „nach Hause“ zu gehen. Das spiegelt sich darin wieder, dass ich hier nur wenige stabile Freundschaften aufgebaut habe, wenige und nie wirklich erfüllende Beziehungen führen konnte und mich auch nie im klassischen Sinne häuslich eingerichtet habe.

Reif für die Insel…

Irgendwann wurde ich depressiv und zeigte Symptome eines Burn-out-Syndroms, was der Anlass war, einmal einen ausgedehnteren Urlaub zu machen. Geplant war ursprünglich eine Reise auf die Malediven. Doch durch unerwartete Ausgaben stand ich schließlich vor dem Dilemma, entweder die geplante Reisedauer zu verkürzen oder die gesamte Zeit auf Sri Lanka zu verbringen. Der Insel, von der mir mein Großvater und meine Mutter so viele spannende Geschichten erzählt hatten.

Zum damaligen Zeitpunkt erschien mir diese Lösung als unschöner Kompromiss, da ich zu den Menschen gehöre, die ihre Ziele 1:1 umsetzen möchten und auf Planänderungen von außen schlecht reagieren. Doch ich wollte möglichst lange Zeit ausspannen um psychisch wieder in die Spur zu kommen und so buchte ich schließlich „nur“ vier Wochen Sri Lanka. Ich hatte keine Ahnung, dass dieser Planwechsel mein Leben komplett auf den Kopf stellen und mich an einen Ort führen sollte, der mir endlich wieder das Gefühl einer Heimat schenken sollte.

Inzwischen danke ich dem Universum dafür, dass es kam wie es kam. Der Dalai Lama sagt: „Das größte Glück im Leben erscheint uns im ersten Moment oft wie das größte Unglück“, und diese Worte begleiten mich seit dem durch die schweren Phasen meines Lebens.

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